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Wirtschaft

27.11.2017 - Artikel

Stand: Oktober 2018

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

El Salvador verfolgt einen offenen und freihandelsorientierten Ansatz und hat zur Förderung des Außenhandels mehrere Freihandelsverträge abgeschlossen und Außenwirtschaftsförderungsprogramme aufgelegt. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung werden zusammen auf über 40 Prozent der arbeitsfähigen salvadorianischen Bevölkerung (vor allem im ländlichen Raum) geschätzt.

Haupthindernisse einer Dynamisierung von Wirtschaft, Handel und Investitionen liegen in der latenten Rechtsunsicherheit, hohen Gewaltkriminalität, der zurückgehenden Wettbewerbsfähigkeit und der weit verbreiteten Korruption. Wirtschaftliche Herausforderung Nummer 1 sind  die stark gestiegene Verschuldung des Landes sowie die tiefsitzende politische Polarisierung, die einem nationalen Konsens über den wirtschaftlichen Kurs des Landes entgegensteht.

Kurzcharakterisierung der Wirtschaft El Salvadors

El Salvador hat seit dem Ende des Bürgerkrieges 1992 große Anstrengungen unternommen, sich wirtschaftlich zu öffnen und zu reformieren. Das Land versucht, sich als Dienstleistungs- und Logistikzentrum in Zentralamerika zu positionieren. Im Vordergrund steht dabei der Ausbau des internationalen Flughafens von San Salvador in einer langfristig angelegten Ausbauplanung bis 2032. Das regionale Drehkreuz der Fluglinie Avianca wurde nach der im Mai 2013 erfolgten Fusion der Fluglinie TACA (El Salvador) mit Avianca (Kolumbien) von San José/Costa Rica nach San Salvador verlegt.

Struktur der Wirtschaft

Charakteristisch für die salvadorianische Wirtschaft ist der hohe Anteil der Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen (KKMU), die über 90% der Unternehmen ausmachen. Besonders wichtig für den Export ist die Lohnveredelungsindustrie (maquila). Wichtigste Industrieprodukte sind Nahrungsmittel, Chemieprodukte (Düngemittel) und Textilien. Bedeutende salvadorianische Exportprodukte sind neben Textilien Kaffee, Ethylalkohol, Medikamente, Zucker, Eisen sowie Krustentiere.

Großes Potential besteht im Bereich der erneuerbaren Energien (bisher genutzt: Wasserkraft und Geothermie, zunehmend auch Solarenergie) sowie des Tourismus. Problematisch bleibt der geringe Beschäftigungsanteil im formellen Sektor; ca. 70 Prozent der Bevölkerung ist im informellen Sektor beschäftigt. Während 2013 noch 47.759 neue Arbeitsplätze generiert wurden, waren es 2017 nur noch 6.723.

Wirtschaftsklima

El Salvador zeichnet sich grundsätzlich durch stabile makroökonomische Rahmenbedingungen aus. Die Wirtschaftswachstumsprognose für 2018 und 2019 beläuft sich auf ca. 2,2 Prozent. Dennoch weist das Land eine relativ niedrige Investitionsquote auf, was vor allem auf hohe Rechtsunsicherheit und Korruption, bürokratische Hemmnisse, gravierende Sicherheitsprobleme und chronische Spannungen zwischen der FMLN-Regierung und der Unternehmerschaft zurückzuführen ist. Das Wirtschaftsklima wird durch die prekäre Haushaltslage geprägt. Internationale Rating-Agenturen haben El-Salvadors Kreditwürdigkeit in 2017 wiederholt heruntergestuft, was die Kreditaufnahme an den internationalen Märkten weiter verteuert hat. Zwischenzeitlich haben einige Ratingagenturen wieder höhere Einstufungen vorgenommen.

Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft

Die salvadorianische Regierung verfolgt einen offenen handelspolitischen Ansatz.
In der Vergangenheit wurden zahlreiche Freihandelsabkommen weltweit abgeschlossen. Weitere Abkommen werden derzeit verhandelt. Darüber hinaus ist El Salvador ein wichtiger Förderer des zentralamerikanischen Integrationsprozesses. Das im Juni 2012 unterzeichnete Assoziierungsabkommen zwischen der Europäischen Union und Zentralamerika wird mit seinem Handelsteil für El Salvador seit dem 01.10.2013 vorläufig angewendet. Hervorzuheben ist die starke Abhängigkeit der salvadorianischen Wirtschaft von der US-Konjunktur. Etwa 40% des Handels entfallen direkt auf die USA, weitere 26% auf Zentralamerika und 17% auf die restlichen Länder Amerikas. Zahlreiche Salvadorianer erhalten Überweisungen (remesas) von den ca. drei Millionen in den USA lebenden Exilsalvadorianern. Nach der im August 2018 erfolgten Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Volksrepublik China (El Salvador hatte zuvor Taiwan anerkannt), hofft das Land auf größere chinesische Investitionen und auf einen weiteren Ausbau der Handelsbeziehungen.

Umweltpolitik

Mangelnde Kapazitäten zur Entsorgung von Abfällen und Altlasten zählen zu den größten Umweltdefiziten des Landes. Deutschland beteiligt sich an der Lösung dieser Herausforderung im Rahmen eines nationalen Abfallmanagementprojekts. Wasserknappheit und fachgerechte Aufbereitung von Abwasser stellen weitere Probleme dar. Andererseits verfügt El Salvador über ein großes Potential an erneuerbaren Energien (Geothermie, Wasserkraft, Solarenergie). Die Regierung zeigt ein verstärktes Interesse an der Nutzung dieses Potentials. Zur Verbesserung der ökologischen Situation des Landes wurde eine nationale Umweltstrategie erarbeitet. Der nationale Wasserplan, mittels dessen El Salvador die Grundlagen für ein verbessertes Wassermanagement legen möchte, wurde am 25.01.2018 offiziell vorgestellt. Er ist auf 20 Jahre ausgelegt mit einer Investitionshöhe von 13 Milliarden USD. Wichtiges Umweltprojekt ist auch der Schutz des letzten erhaltenen Tropenwalds Trifinio im Länderdreieck El Salvador, Guatemala und Honduras, sowie das regionale Waldschutzprojekt REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation). Die Folgen des Klimawandels sind inzwischen in vielen Landesteilen spürbar.

Aktuelle Wirtschaftsentwicklung und konjunkturelle Lage

Für 2018 und 2019 werden 2,2 % Wachstum erwartet. El Salvador zählt damit weiterhin zu den Schlusslichtern der Region Zentralamerika. Das Land bleibt anfällig für wirtschaftliche und naturbedingte externe Schocks. Die angespannte Haushaltslage – die Regierung hatte im April 2017 vorübergehend die Zahlungsunfähigkeit des Landes erklärt - hat die Diskussionen über eine Erhöhung von Steuern und Reduzierung von Subventionen intensiviert – mit entsprechenden Folgen für die Entwicklung der Inflationsrate. In der jüngsten Vergangenheit  sind die Kosten für Grundnahrungsmittel des Basisnahrungskorbes bereits überproportional um über 8% gestiegen sind. Aufgrund der starken Verflechtung mit der US-Wirtschaft (Handel, Überweisungen) hängt die Entwicklung der salvadorianischen Wirtschaft stark von der weiteren Entwicklung der US-Konjunktur und des wirtschaftspolitischen Kurses der Regierung Trump ab. Große Bedeutung kommt insbesondere der erfolgreichen Bekämpfung der Gewaltkriminalität, einem stabilen institutionellen Umfeld sowie einem transparenten und zuverlässigen Rechtswesen zu. 

Außenwirtschaftspolitik

El Salvador hat Freihandelsabkommen mit den USA, den anderen zentralamerikanischen Staaten (SICA), Mexiko, Chile, Kolumbien, Kuba und Taiwan abgeschlossen. Zurzeit werden weitere Abkommen unter anderem mit Kanada und Peru verhandelt. Mit Guatemala und Honduras ist El Salvador seit August 2018 in einer Zollunion verbunden. Zudem enthält das mit der Europäischen Union im Juni 2012 unterzeichnete Assoziierungsabkommen ein Freihandelskapitel. Dieser Freihandelsteil wird seit 01.10.2013 vorläufig gegenüber El Salvador angewendet. Knapp 90 Prozent des salvadorianischen Außenhandels entfällt auf die USA und die Nachbarländer in Zentralamerika.

Die USA sind mit Abstand El Salvadors wichtigster Handelspartner, wobei das Verhältnis durch ein traditionelles, strukturbedingtes Außenhandelsdefizit El Salvadors geprägt ist. 40 % der salvadorianischen Importe stammen aus den USA, 47 Prozent der Exporte gehen in die USA

Das Handelsvolumen zwischen El Salvador und der Europäischen Union betrug nach den zuletzt für 2015 vorgelegten Statistiken bei den salvadorianischen Exporten nach Europa rd. 194,5 Mio Euro, die EU-Exporte nach El Salvador umfassten rd. 544 Mio Euro. In Europa ist Deutschland nach  Spanien der  wichtigste Handelspartner El Salvadors. Der gesamte Handel mit Deutschland in 2017  betrug  210 Millionen USD, davon entfielen 24 Millionen auf den Export nach Deutschland (52,4 % davon Kaffee) und 186 Millionen auf den Import (ins. Maschinen, chemische Erzeugnisse, Elektrotechnik). 

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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